Historische Fotografien
Auf dieser Seite sammele ich einige historische Fotografien von Orten, zu denen ich eine gewisse Beziehung habe. Immer wieder finde ich es faszinierend, an diesen Plätzen zu stehen, um zu vergleichen, wie diese vor vielen Jahrzehnten einmal aussahen.
Sagard
In diesem kleinen Örtchen ›Sagard‹ auf der Insel Rügen bin ich aufgewachsen bzw. ich reise regelmäßig dorthin zurück. In einem alten Fotoalbum fand ich einige – zumindest für mich sehr interessante – alte Fotografien aus den 1920er bis 1970er Jahren. Sicherlich sind sie nur für diejenigen interessant, die diesen Ort kennen. Der Fotograf dieser Bilder war Anton Walser.
Zwar begegnet dem heutigen Besucher im Ortskern von Sagard – direkt an der Bushaltestelle / Kreuzung – eine historische Tankstelle (die natürlich schon lange außer Betrieb ist). Aber die hier abgebildete LEUNA-Tankstelle ist eine andere. Sie befand sich eine Minute Fußweg von der Kreuzung in Richtung Bahnhof.
Der Fotograf hätte diese Straße so vermutlich nie fotografiert, hätte es im Februar 1940 auf Rügen nicht so stark geschneit. Solche profanen Straßenszenen sind heute die interessantesten – leider damals viel zu selten dokumentiert, wie überall. Man beachte auch die beiden neugierigen Kinder versteckt an der Hauswand. Im Grunde hat sich der historische bauliche Kern in diesem Örtchen gar nicht so sehr verändert.
Auch diese beiden historischen Fotografien von Sagard auf Rügen sind sehr interessant: Man sieht auf ihnen den Bahnübergang an der alten Straße nach Sassnitz. Diesen Übergang gibt es schon lange nicht mehr. Denn diese Strecke wurde ja später durch die Umgehungsstraße (Bundesstraße 96) ersetzt. Ab der alten Mühle (die heute nun immer noch steht) existiert jedoch noch ein Teil dieser alten Straße. Dort, wo früher der Bahnübergang war, befindet sich heute der (neue) Bahnsteig. Der eigentliche Bahnhof existiert jetzt nur noch als Ruine.
Sagard ist eine kleine Gemeinde auf der Insel Rügen (Halbinsel Jasmund) bei Sassnitz.
Karte: © OpenStreetMap-Beitragende
Aufgrund des damaligen Durchreiseverkehrs gab es in Sagard wohl mehrere Zapfsäulen für die Motorisierten:
Offenbar konnten sich die Inhaber von Krämer- bzw. Kolonialwarenläden damals ebenfalls eine solche vor das Geschäft stellen – vermutlich mit einem kleinen Tank im Keller. Überhaupt muss es in Sagard seinerzeit recht geschäftstüchtig zugegangen sein:

In diesem Haus war eine Filiale der »Rügensche Kreis-Sparkasse« ansässig – wie auf dem Schild zu lesen ist. Rechts daneben gab es ein anderes Geschäft. Soweit meine Kindheitserinnerungen reichen, gab es links in den 1980er Jahren dann ein Fischgeschäft mit einem Aquarium voller schwimmender Ostseefische im Schaufenster. Seit vielen Jahren ist hier nun ein Friseurgeschäft ansässig. Das schmale, niedliche Häuschen rechts daneben wurde leider vor einigen Jahren abgerissen. Auch dort gab es damals wohl ein Ladengeschäft.
Die meisten dieser historischen Fotografien existieren lediglich als winzige 6×6- bzw. 6×9-Kontaktabzüge. Daher sind leider viele Details (kleine Schrift) nicht mehr rekonstruierbar bzw. die Auflösung ist sehr gering.

Der Fotograf Anton Walser musste eine gewisse Beziehung zu diesem Haus gehabt haben bzw. war vielleicht sogar der Besitzer. Daher gibt es im Album noch eine zweite, offenbar spätere Aufnahme (und weitere). Die Beschriftungen wurden nun demontiert bzw. sind verblichen. Ein Bekleidungsgeschäft ist rechts eingezogen.
Auffallend bei einigen Gebäuden im Sagarder Ortskern ist noch etwas: Neben den typischen Bauernhäusern gibt es nicht wenige Gebäude (wie bei dem oben abgebildeten), bei denen man sich offenbar an einem klassizistischen Baustil orientierte bzw. an einem städtischen Historismus- bzw. Biedermeierstil.
Dies ist bemerkenswert. Denn immerhin ist dies damals eine reine Agrarregion gewesen. Architektonische Schmuckelemente wie Wandpfeiler, Eckquaderungen, Stuckelemente, Eingangsportale oder kunstschmiedeeiserne Geländer wollen nicht so recht in diese Provinz passen. Solche hübschen Details entdeckt man jedoch an einigen der Sagarder Häuser im Ortskern – bis heute.

Noch einmal die Treppe mit den schönen Türflügeln und zwei Soldaten, einer vermutlich gerade auf Genesungsurlaub. Passenderweise hatte sich ein Freund von mir – ca. 65 Jahre später – beim Sprung von genau dieser Treppe eine kapitale Knöchelverletzung zugezogen und ging danach mehrere Wochen ebenfalls am Stock.
Nach dem vielen Schnee im Februar 1940 gab es offenbar Überschwemmungen. Beide Bilder wurden vermutlich in der Capellerstraße aufgenommen bzw. am Sagarder Bach. Die kleine Brücke (erstes Foto) gibt es ja immer noch und auch das Geländer (zweites Foto) – wenn auch erneuert. Mittlerweile stehen dort natürlich weitere bzw. andere Häuser.

Hier posiert der junge Maler Hans Schmidt neben seinem Bild von der Sagarder Kirche für den Fotografen in voller Montur. Das Foto ist im Album auf das Jahr 1927 datiert. Aber ich denke, es wird wohl etwas später entstanden sein.
Auch die alte, romanische Sagarder Kirche erschien mir immer viel zu groß für diesen kleinen Ort. Aber man muss ja bedenken, dass damals jeden Sonntag viele Menschen aus den vielen kleinen Gehöften rund um Sagard (die heute teils Wüstungen sind) mit ihren Fuhrwerken ins Dorf zur Andacht fuhren.

Jetzt gibt es einen Zeitsprung: Offenbar zeigt diese alte Fotografie Sagard in den 1960er Jahren? Vielleicht etwas früher oder etwas später? Auch hier wieder gut sichtbar die leicht klassizistischen oder biedermeierlichen (?) Schmuckfassaden mancher Häuser, die diesen Ort etwas besonders erscheinen lassen. Jedoch gibt es solche Gebäude auch in anderen Orten auf der Insel Rügen.
Diese beiden Abbildungen sind noch aktueller – vermutlich die 1970er Jahre. Ich erinnere mich auch noch an die prägnanten rot-weißen Absperrungen. Sie waren vielleicht noch ein Überbleibsel, als es die Umgehungsstraße noch nicht gab, bzw. als es im Ortskern von Sagard noch viel mehr Verkehr gab. Heute sind sie nicht mehr vorhanden. Ungefähr dort, wo der W50-LKW bzw. die Fahnenmasten stehen, musste Jahrzehnte vorher die Leuna-Tankstelle gestanden haben (s. o.). Das Schild »Bekleidung« am hinteren Haus mit dem schönen Balkon ist hier aber immer noch angebracht bzw. schwach lesbar.

Nun das letzte Foto: Es ist auf das Jahr 1974 datiert und zeigt den wohl ersten Neubaublock in Sagard bzw. seinen Aufbau. Rechts davon ist der Schornstein des Heizhauses bzw. die (neue) Schule zu sehen. Der Fotograf steht hier offenbar auf der damals noch nicht vorhandenen Schulstraße bzw. links vom heutigen Parkplatz – den viele Urlauber kennen (Aldi, EDEKA, …).
Ich dachte immer, das Neubaugebiet und die Schule wurden erst in den 1980er Jahren erbaut. Es ging aber schon früher los. Das Neubaugebiet bot damals primär Arbeitern Wohnraum, die in Mukran (Fährhafen) und in Prora (Armee) tätig waren. Apropos:
Prora (KdF-Bad)
Im alten Fotoalbum vom Anton Walser fand ich auch noch diese zwei historischen Fotografien – vermutlich aus den späten 1930er Jahren:
Allgemein bekannt ist ja das KdF-Bad in Prora. Hier sehen wir die Gebäude gerade im Aufbau – noch mit Kränen. Ich fragte mich »Was haben diese Soldaten da zu tun?« Denn es handelte sich hier doch lediglich um einen riesigen Hotelkomplex im Aufbau? Doch offenbar wurde diesen Gebäuden auch eine militärische Nutzung zugedacht – als Lazarette. Schaut man genauer hin, sieht man, dass die Soldaten weiße Armbinden mit einem (roten) Kreuz tragen sowie auffällige Taschen (mit Verbandsmaterial?). Sicherlich wurde Prora zu dieser Zeit auch als militärischer Ausbildungsplatz genutzt.
Leipzig (alter Schlachthof)
Seit einigen Jahren wohne ich in Leipzig und ich interessiere mich natürlich auch für die hiesige Geschichte bzw. für alte Bilder von meinem Stadtbezirk. Auf der Internetseite vom Stadtarchiv Leipzig fand ich eine für mich sehr interessante Luftaufnahme vom alten Schlachthofgelände und Umgebung vor:

Die Aufnahme müsste von ca. 1933 sein. Dort wo die Schienen verlaufen, befinden sich heute (noch) zwei wunderbare Brachen, auf denen man sehr gut spazieren gehen kann. Am Boden sind dort Reste von Kopfsteinpflasterwegen zu erkennen, sodass ich immer dachte, hier standen Fabriken. Aber – wie man sieht – verliefen hier viele Gleise. Interessant ist auch, dass es damals an dieser Stelle auch zwei Ringlokschuppen gab – und nicht nur der eine, der heute noch als „Lost Place“ mit den beiden Schornsteinen steht.
Besonders auffallend sind natürlich die beiden großen, hellen Kuppeln der „Großhandels-Markthalle“. Es gab sie damals bereits. Und: Damals endete die heutige Kurt-Eisner-Str. abrupt vor den Gleisen. Eine Brücke gab es seinerzeit noch nicht.
Viele der abgebildeten Häuser stehen noch, einige (insbesondere natürlich fast der gesamte Schlachthof) sind verschwunden.












